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Intelligente Kleidung zum Schutz vor Dehydration

Schweiß erscheint uns im Alltag zwar oftmals als unangenehmer Begleiter, er sagt aber zugleich viel über unser Befinden aus. Der Feuchtigkeitsgehalt der Haut verrät wie wir uns fühlen und was der Körper braucht. Besonders in der Pflege, aber auch im Sport können Aussagen über den Vitalzustand einer Person von großem Nutzen sein.


Ältere Menschen und insbesondere demente Personen vergessen häufig, ausreichend zu trinken und laufen Gefahr zu dehydrieren. Dieser Umstand stellt vor allem das überlastete Pflegepersonal vor eine große Herausforderung, da sich die Führung eines Flüssigkeitsprotokolls schwierig gestaltet. „Eine Bioimpedanzmessung, das heißt eine Messung des Hautleitwiderstands kann hier viel über das Wohlbefinden der Menschen aussagen und das Pflegepersonal entlasten. Je mehr Flüssigkeit jemand in seinen Zellen hat, weil er oder sie konsumiert hat, umso geringer wird der Widerstand. Je höher der Widerstand, umso weniger Flüssigkeit befindet sich in den Zellen“, erklärt Projektleiter Florian Eibensteiner. Ein zweiter Anwendungsfall ergibt sich im Bereich des Sports, zumal die Entwicklung aus elektronischer und messtechnischer Sicht nahe liegt. Durch die Analyse des Schweißes können Aussagen über den Fitnesszustand von Profi- und Hobbysportler*innen getroffen und die Leistung optimiert werden. 

Wie aber lässt sich die Feuchtigkeit der Haut über einen längeren Zeitraum sowie möglichst angenehm für die Betroffenen messen? Im FFG-Projekt „Sweat-Tex“ entwickeln und untersuchen Forscher der FH OÖ am Campus Hagenberg seit Beginn des Jahres in Zusammenarbeit mit fünf Firmenpartnern eine textile, waschbare und alltagstaugliche Sensorik. Ziel ist es, textile Sensoren in ein Kleidungsstück, wie etwa ein T-Shirt zu integrieren. Auf Basis der Messergebnisse der Sensoren und einer entsprechenden Software erhält etwa das Pflegepersonal auf ein elektronisches Gerät Informationen über den Vitalzustand der Patient*innen und kann so spezifisch reagieren. Um die Funktionalität im Alltag zu erproben und eventuelle Schwachstellen zu eruieren, werden im Laufe des Projekts die textilen Prototypen gemeinsam mit Pflegebedürftigen und Pfleger*innen getestet.

Gebündeltes Know-how für Produktentwicklung
Das anwendungsorientierte Projekt gibt vielschichtige Aufgaben auf. Es braucht Spezialist*innen in der Entwicklung von technischen Textilien, Elektronik und Software.
Bereits mehrmals arbeitete die FH OÖ in der Entwicklung smarter Textilien mit den Vorarlberger Expert*innen von Texible GmbH zusammen. 2016 wurde das Unternehmen als Ausgründung der Universität Innsbruck von Textilforscher*innen und Textilunternehmen mit Hauptsitz in Dornbirn gegründet. Bei der Entwicklung und Fertigung technischer Textilien profitieren sie von einem, zwar teils der Vergangenheit angehörigen, aber traditionell stark von der Textilindustrie geprägtem und vernetztem Umfeld. „Durch Vorprojekte haben wir bereits Erfahrung auf dem Gebiet der Entwicklung textiler Sensorik als unterstützende Hilfsmittel für Pflegepersonal und Pflegebedürftige. Unser Know-how können wir im Projekt in erster Linie in Bezug auf Alterung, Waschbeständigkeit und Tragekomfort einbringen. Das Sensorkonzept muss im Alltag praktisch sein und soll den Pflegealltag erleichtern“, betont Geschäftsführer Thomas Fröis. Speziell im Bereich Software, aber auch Elektronik kommen dem jungen Unternehmen die Kompetenzen der FH OÖ zugute. Für keinen der Partner wäre ein Forschungs- und Entwicklungsprojekt wie dieses alleine durchführbar – erst die Kooperation aller macht’s möglich.  

„Das Spannende an der Zusammenarbeit ist, dass wir die gesamte Wertschöpfungskette als Partner on board haben und das Know-how, um am Ende wirklich ein Produkt zu entwickeln: vom textilen Forschungsinstitut, professionellen Smart-Textile Produzenten über ein Textilfertigungsunternehmen bis hin zum Elektronikproduzenten und uns als Elektronik Research Center“, freut sich Eibensteiner. Von der Praxisorientiertheit und dem Aufbau eines funktionierenden Netzwerkes, um das Produkt auf den Markt zu bringen, zeigt sich auch Fröis begeistert.

Weitere Projektpartner: V-TRION GmbH, Grabher Günter Textilveredelungs GmbH, PHOTEON Technologies GmbH, zaza Textillösungen GmbH

Smartes Kleidungsstück; Petra Wiesinger, FH OÖ Campus Hagenberg

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