Campus LinzResearch Center

NewsForschung & Entwicklung

Geflüchtete afghanische Frauen und ihr Weg in den oberösterreichischen Arbeitsmarkt

Ein selbstbestimmtes und selbsterhaltungsfähiges Leben zu führen, ist wohl der Wunsch vieler Menschen. Insbesondere in der Diskussion um die Integration geflüchteter Menschen wird in diesem Kontext einem möglichst raschen Einstieg in die Erwerbstätigkeit ein hoher Stellenwert beigemessen. Auf dem Weg in den (ober)österreichischen Arbeitsmarkt ergeben sich allerdings gerade für asyl- und subsidiär schutzberechtigte Frauen Hürden, die einen chancengerechten Zugang erschweren. Handlungsempfehlungen, die auf den Forschungsergebnissen eines Kooperationsprojektes zwischen FH OÖ, Caritas OÖ und JKU Linz basieren, sollen nun einen Beitrag zur verstärkten Unterstützung von Frauen mit afghanischer Herkunft leisten und einen sachlichen und differenzierten Diskurs anstoßen, der den Blick auf Chancen sowie vorhandene Potentiale geflüchteter Frauen richtet.


Im Alltag entsteht oft der Eindruck, dass im öffentlichen Diskurs über geflüchtete Menschen die Gruppe der Männer dominiert. Ein Umstand aus dem Mag.a Manuela Angerer von der Caritas für Menschen in Not, Abteilung Integration, Motivation schöpfte, um der weiblichen Perspektive die verdiente Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Gerade Frauen kommt im Integrationsprozess eine Schlüsselrolle zu, wenn sie die Möglichkeit erhalten, neue Chancen in der Aufnahmegesellschaft für sich wahrnehmen zu können. Aus dieser Idee entstand – im Rahmen der Integrationsoffensive Afghanische Community – ein vom Land OÖ gefördertes Projekt. Für dieses arbeiten seither die Caritas OÖ als Praxis- und JKU Linz sowie FH OÖ, Campus Linz, als Wissenschaftspartnerinnen zusammen.

Die Ergebnisse des Projekts – basierend auf Interviews und einer Fokusgruppe mit Expert*innen und qualitativen Interviews mit Frauen afghanischer Herkunft – zeigen einmal mehr, dass es die afghanische Frau nicht gibt. „Die eine Maßnahme für Integration am Arbeitsmarkt, die für alle afghanischen Frauen hilfreich wäre, gibt es nicht, weil die Lebenssituationen so vielfältig sind, die Gründe und Umstände, warum jemand das Land verlassen musste, verschieden sind, Deutschkenntnisse und schulische oder berufliche Qualifikationen unterschiedlich oder auch gar nicht vorhanden sind“, fasst Manuela Angerer zusammen. Auf Basis des empirischen Materials entwickelten die Forscherinnen schließlich eine viergliedrige Typologie, die die Frauen in groben Zügen charakterisiert. Genauer beleuchtet wurden dafür Gelingensfaktoren für den Weg in den Arbeitsmarkt, Faktoren, die Frauen vulnerabel machen, die berufliche Aspiration, Qualifikationen und die Lebenssituation einschließlich der Mobilität. Bevor geflüchtete Menschen am Arbeitsmarkt einsteigen können, müssen diese allgemeine Rahmenbedingungen kennen, sich Systemwissen aufbauen, Qualifikationen und Kompetenzen nachweisen (versuchen) oder sich aneignen und die deutsche Sprache lernen. Nicht außer Acht zu lassen, ist außerdem der rechtliche Status der Betroffenen. Subsidiär Schutzberechtigte erhalten lediglich einen zeitlich begrenzten Aufenthalt in Österreich, der zwar verlängert, aber auch aufgehoben werden kann, wenn sich die Lage im Herkunftsland ändert. Das Schmieden von Zukunftsplänen gestaltet sich unter diesen Umständen schwierig. Integration passiert nicht von heute auf morgen, sie braucht Zeit. Bestehende Integrationsprojekte sind zeitlich oft begrenzt und enden für die Betroffenen meist zu früh.

Die Typologie bzw. kategorisierten Handlungsempfehlungen, die in einem nächsten Schritt entstanden sind, sollen Einrichtungen, die asyl- und subsidiär schutzberechtigte Frauen afghanischer Herkunft im Integrationsprozess begleiten, als Sensibilisierung und Orientierungshilfe dienen. „Die Typologie soll keinesfalls ein Schubladen-Denken begünstigen. Um Institutionen und Unternehmen, die mit Frauen afghanischer Herkunft arbeiten, jedoch adäquat unterstützen zu können, war es notwendig, diese Komplexität und Heterogenität der Lebensrealitäten der Frauen zu vereinfachen“, wie FH-Assistenzprof.in Mag.a Dr.in Daniela Wetzelhütter vom FH OÖ Campus Linz erklärt. Gemeinsam mit Sonja Falkner-Matzinger, MSc BA (JKU Linz) beleuchtete sie in einem Masterprojekt mit Studierenden außerdem die Unternehmerseite und konnte so die Projektergebnisse um diese Perspektive erweitern. Auch hier gibt es Unsicherheiten. Gehofft wird nun bei der Abschlusspräsentation auf offene Ohren seitens der Politik zu stoßen. Mehr und längerfristige Projekte, die Unternehmen und Frauen mit Migrationsbiografie begleiten, wären wünschenswert und lohnen sich am Ende für beide Seiten.

Gelohnt hat sich die explorative Sozialstudie aber auch für die Forscherinnen und die Caritas OÖ. „Für die Wissenschaft ist es mehr als ein Vorteil, wenn die Praxis mit im Boot ist, weil dieser Zugang zur Zielgruppe so wichtig, aber für uns oft schwierig ist. Da ist eine Kooperation unersetzlich“, wie Daniela Wetzelhütter resümiert. „Durch dieses Projekt haben wir festgestellt, dass wir uns ideal ergänzen und so haben wir jetzt auch schon das nächste in Planung. Wenn so eine Kooperation einmal gut gelaufen ist, sollte man diese auch fortsetzen“, ist Manuela Angerer überzeugt.

M. Angerer, inspiriert durch bzw. abgezeichnet aus den bikablo Publikationen, www.bikablo.com

FH Oberösterreich Logo