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Warum Empfehlungen im Gesundheitswesen so wichtig sind

Die wohl wichtigste Karte im Geldbörsl ist die e-Card. Doch wie setzt man sie richtig ein? Zu welchem Arzt gehe ich? Wo lasse ich mich operieren? „Empfehlungen von Patienten sind dafür ausschlaggebend“, sagt FH-Prof. Priv.-Doz. Dr. Sebastian Martin, Professor für Marketing auf dem FH OÖ Campus Linz. „Hinter persönlichen Empfehlungen steckt kein kommerzielles Interesse, daher werden sie bei der Wahl eines Gesundheitsdienstleisters eher verwendet als andere Quellen“. Im Profit-Bereich sind Empfehlungen bereits tiefgreifend erforscht, im Gesundheitswesen hingegen kaum. „Ein Sprichwort besagt, dass eine besorgte Mutter besser recherchiert als das gesamte FBI“, sagt Martin. „Wir versuchen herauszufinden, welchen Einfluss Empfehlungen bei der Suche nach Gesundheitsinformationen haben, wie sie entstehen und sich verbreiten.“

Aus zahlreichen Untersuchungen hat der habilitierte FH-Experte bereits ein Modell des Empfehlungsverhaltens im Gesundheitswesen abgeleitet. Laut Prof. Martin unterscheiden sich Patienten und deren Angehörige in ihren Empfehlungen. „Der Patient baut im Krankenhaus eine emotionale Beziehung zu Ärzten und Pflegepersonal auf. Daher verzeiht er eher Fehler in der medizinischen Versorgung als seine Angehörigen“. Diese Aussage wird von Studien gestützt, die aufzeigen, dass Patienten Krankenhäuser eher weiterempfehlen als Angehörige. Empfehlungen können face-to-face oder anonym über Plattformen wie docfinder.at kommuniziert werden. Auch der Gesundheitszustand beeinflusst Empfehlungen. So bekommt „eine schwangere Frau häufig ungefragt gesundheitliche Ratschläge von ihrem Umfeld“. Eine quantitative Studie für die Blutspendezentrale des Roten Kreuzes Linz zeigte ebenfalls Unterschiede hinsichtlich des Alters auf. So geben insbesondere jüngere Menschen zwischen 18 und 30 Jahren an, sich durch eine persönliche Empfehlung zu einer Blutspende motivieren zu lassen.

Konkretes Projekt mit dem Verein Gesundes Ried

Der ehrenamtliche Verein Gesundes Ried versteht sich als Zusammenschluss der Gesundheitsdienstleister in Ried. Ziel ist es, die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung im Bezirk zu verbessern. Gemeinsam mit den Gesunden Gemeinden initiierte der Verein 2019 den ersten ‚Innviertler Herz-Tag‘ mit Workshops und Unterhaltungsprogramm, um die lokale Bevölkerung für die Herzgesundheit zu sensibilisieren und zu einem gesünderen Lebensstil zu motivieren.

Der Verein beauftragte FH-Professor Martin mit der wissenschaftlichen Begleitung der Veranstaltung. „Gemeinsam mit einer Kollegin der Johannes Kepler Universität Linz möchte ich im Rahmen einer empirischen Erhebung die Gründe herausfinden, warum Menschen zu einer solchen Veranstaltung kommen. Insbesondere interessiert uns die Rolle von persönlichen Empfehlungen auf das Teilnahmeverhalten“, sagt Martin. Drei Masterstudierende führten die Erhebung durch. Bei rund 160 Teilnehmenden verzeichnete das Projektteam einen Rücklauf von 117 Fragebögen, das entspricht 73 Prozent. Die Ergebnisse der Untersuchung sollen dazu beitragen, künftige Veranstaltungen noch stärker an den Teilnahmemotiven der Befragten auszurichten. „Dazu untersuchen wir auch den Einfluss von Geschlecht, Familienstand, Bildungsgrad und Gesundheitszustand auf die Motive einer Teilnahme.“

Das Drittmittelprojekt beinhaltet die Erstellung des Erhebungsinstruments sowie die wissenschaftliche Begleitung. Im Wintersemester 2019/20 wurden die Fragebögen im Rahmen eines Studierendenprojektes ausgewertet. Ende Jänner 2020 wurde das Projekt abgeschlossen. „Mit den Erkenntnissen der Studie kann der Verein künftige Veranstaltungen noch stärker an den Motiven der Teilnahme ausrichten, effektiv an die richtigen Zielgruppen kommunizieren und die Anzahl der Besucher kontinuierlich steigern.“

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