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Gütertransport: Grünes Potenzial auf der Donau

Umweltfreundlich, ökonomisch vorteilhaft und nachhaltig – die Binnenschifffahrt birgt als Alternative für den Gütertransport ein großes Potenzial in sich und ist ein wesentlicher Teil des Green Deals. Forscher*innen des FH OÖ Campus Steyr beteiligen sich gemeinsam mit 26 Partner*innen im EU-Projekt IW-NET (Innovation-driven Collaborative European Inland Waterways Transport Network) an der Innovation der Binnenschifffahrt auf europäischen Flüssen.


Die europäische Klimastrategie - der Green Deal - sieht vor, bis 2050 im Transportsektor entstehende Emissionen um 90% zu reduzieren. Dazu bedarf es einiges an Änderung in der individuellen sowie der Gütermobilität. In Österreich werden derzeit lediglich 6% aller Güter auf Flüssen transportiert und ungefähr ein Drittel per Bahn. Die Niederlande befördern bereits 45% auf Binnenwasserstraßen. „Probleme zu lösen, die einen zukunftsweisenden Beitrag für die Welt leisten, ist definitiv der Anspruch unserer Forschungsgruppe ‚Sustainable Transport‘. Einen großen Teil unserer Motivation schöpfen wir daraus, den Transport nachhaltiger zu machen“, betont Professorin Dr. Lisa-Maria Putz, die gemeinsam mit der Dissertantin Mag. Sarah Pfoser die sechs Partner des Donau-Piloten koordiniert.

In Kooperation mit Partner*innen aus Forschung und Wirtschaft arbeiten Forscher*innen des Logistikums Steyr daran, die Binnenschifffahrt auf der Donau innovativer sowie kompetitiver zu machen und diese besser in die Logistikketten zu integrieren. Fluss-Wasserstände können Engpässe bei der Beladung der Schiffe nach sich ziehen. Bei niedrigem Stand ist nur eine teilweise Beladung der Binnenschiffe möglich, was diesen die wettbewerbsfähig nimmt. „Mit dem Fakt gilt es umgehen zu lernen und nach geeigneten Lösungen zu suchen“, wie Projektleiterin Putz motiviert erklärt. Einen Lösungsweg stellt ein neues Konzept für sogenannte „Leichter“ dar: Schiffe ohne Eigenantrieb, die von Schubbooten bewegt werden. Im Gegensatz zu Motorgüterbooten stehen sie den Tiefgang betreffend klar im Vorteil. Auf der oberen Donau können vier Schubleichter pro Schiff transportiert werden – was eine Gütermenge von 280 Lkw ersetzt – auf der unteren Donau sogar bis zu 16 Schubleichter. Um die Binnenschifffahrt noch effizienter zu nützen und wettbewerbsfähiger zu machen, streben die Projektbeteiligten an, neben den häufiger transportierten Schüttgütern, auch weitere Güter wie z.B. Container verstärkt auf die Donau zu bringen. „Bevor nicht auch Container per Binnenschiff auf der Donau transportiert werden, gehe ich nicht in Pension“, wie sich Projektpartner und Seniorchef Karl Nothegger, der das Pensionsalter bereits erreicht hätte, überzeugt zum Ziel setzt.

Projektpartner*innen und Forscher*innen tüfteln nun seit Projektbeginn im Mai 2020 bereits am Design und an Materialverbesserungen der Schubleichter, um sie optimal und wirtschaftlich interessanter in die Logistikketten zu integrieren. Simulationen geben mithilfe von Daten der Projektpartner*innen Aufschluss über verschiedene Parameter: Wie lange dauert der Ablauf einer Logistikkette mit Vor- und Nachlauf, wie können Schleusen möglichst rasch passiert werden, wie viel Volumen kann verlagert werden, aber auch wie viel Emissionen werden eingespart.

Um nicht bei theoretischen Konzepten zu stoppen, sondern Projekte in Richtung technische Machbarkeit zu steuern, braucht es die praktische Erfahrung der Firmenpartner*innen. Die Logistikdienstleister spielen im Projekt mit offenen Karten und stellen ihr Praxiswissen zur Verfügung. Die Spedition Nothegger Transport Logistik GmbH aus St. Ulrich am Pillersee, die über knapp 30 Jahre an Erfahrung in ihrem Sektor verfügt, ist Teil des dreijährigen EU-Projekts. Nachhaltigkeit ist mit bereits 45% Bahnanteil und der ständigen Verbesserung des intermodalen Systems, also der Kombination von Straße und Schiene, ein Hauptanliegen des internationalen Transportunternehmens. „Es ist eine einmalige Chance mit Fachleuten mit entsprechender Expertise an einem Tisch zu sitzen und die Eingliederung der Binnenschifffahrt in die Transportlogistik zu diskutieren und weiterzuentwickeln. Wir alle hoffen, den Piloten schließlich wirklich umsetzen zu können“, berichtet Karl Nothegger sen.

Bis dato birgt die Binnenschifffahrt als Transportmöglichkeit im Donauraum ein hohes Potential, das es zu nutzen gilt, ebenso wie eine Verankerung in den Köpfen der Menschen. Zur Bewusstseinsbildung, bietet die Forschungsgruppe ‚Sustainable Transport‘ für Schüler*innen in Kooperation mit der viadonau Workshops rund um das Thema Bahn und Schiff als innovative und nachhaltige Möglichkeiten an. „Es bleibt noch viel zu tun, aber der ganzheitliche Einsatz für die Etablierung der Binnenschifffahrt auf der Donau wird sich auf vielen Ebenen lohnen“, versichert Projektleiterin Lisa-Maria Putz zuversichtlich.

In Österreich nehmen neben der FH OÖ F&E GmbH, das AIT Austrian Institute of Technology GmbH, die Skillz GmbH, die Nothegger Transport Logistik GmbH, die TTS-Group GmbH sowie das Ingenieurbüro Anzböck am Projekt teil. Die Gesamtprojektkoordination erfolgt durch das Institut für Seelogistik (ISL). 

Dieses Projekt wird unter der Projektnummer 861377 durch das Forschungs- und Innovationsprogramm Horizont 2020 der Europäischen Union gefördert.

Schubleichter Bildquelle: viadonau

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