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Wie Produktionsplanung und digitaler Stress den Unternehmenserfolg beeinflussen

FWF-Projekt „Hybride Algorithmen für die Neugestaltung von MRP“

Eine adäquate Planung stellt die Verfügbarkeit aller nötigen Komponenten einer Produktion und langfristig auch den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens sicher. Das im Jahr 2020 gestartete FWF-Projekt von Klaus Altendorfer, Professor an der FH OÖ Campus Steyr, widmet sich genau diesem Thema. Im Wesentlichen werden dabei Verbesserungen des „Material Requirements Planning“ (MRP), also der Planung beschränkter Ressourcen, angestrebt.

Grundsätzlich kann die Produktionsplanung in drei Bereiche unterteilt werden: Langfrist- und Mittelfristplanung sowie eine kurzfristige Steuerung der Produktion. Auf Ebene der Langfristplanung werden Entscheidungen in Hinblick auf Ressourceninvestment (Anschaffung einer neuen Maschine oder nicht), Anzahl an Produktionsmitarbeiter*innen und den geplanten Absätzen getroffen. Die Mittelfristplanung erzeugt Produktionsaufträge, die für jedes Material vorab definieren, welche Menge produziert wird, wann der Auftrag starten soll und wann dieser fertiggestellt sein muss. In der kurzfristigen Steuerung der Produktion wird einerseits die Produktionsreihenfolge entschieden (nach Fertigstellung wird der nächste Auftrag bereits zugeteilt) und andererseits auch kurzfristige Personalentscheidungen in Hinblick auf Überstunden oder Zeitausgleich getroffen.

Ein Blick in die Praxis zeigt, dass in der Mittelfristplanung häufig vereinfachende Annahmen getroffen werden. Zum Beispiel, dass Vorlaufzeiten und Absatzzahlen keinerlei Unsicherheiten unterliegen. Tatsächlich sind Produktionsressourcen wie Maschinen und Mitarbeiter*innen aber beschränkt und auch die Vorlaufzeiten und Absatzzahlen basieren so gut wie allein auf Schätzungen. Werden diese Aspekte nicht in der Planung berücksichtigt, kann dies nicht umsetzbare Produktionsaufträge bzw. starke Abweichung derselbigen zur Folge haben. Hier setzt das FWF-Projekt von Klaus Altendorder an. Mittels mathematischer Methoden und dem Einsatz von Simulationsmodellen sollen diese Aspekte in vorhandene Methoden zur Mittelfristplanung stärker integriert werden. Dafür bedarf es neuer Lösungsansätze zur Vermeidung von Produktionsrückständen bei möglichst guter Annäherung an die realen Probleme der Mittelfristplanung. So sollen schon bei der Erstellung von Fertigungsaufträgen beschränkte Kapazitäten und Unsicherheiten über die tatsächliche Größe von Absatzzahlen und Länge der Vorlaufzeiten berücksichtigt werden und dadurch auch zu einer besseren Durchführbarkeit der Produktionspläne führen. Mit der Anwendung hybrider Algorithmen sollen insbesondere die aktuelle Situation in der Fertigung in Hinblick tatsächlich verfügbarer Maschinen und Arbeitskräfte wie auch die bereits in Produktion befindlichen Aufträge vermehrt berücksichtigt werden. Anders als bisher, können damit auch mehrere potenzielle Fehlerquellen simultan aufgegriffen werden. Für ein Produktionssystem ergeben sich in Folge geringere Bestände und eine höhere Liefertreue gegenüber den Kund*innen.

Das FWF-Projekt läuft bis 2023 und wird unter der Leitung von Professor Klaus Altendorfer an der FH OÖ, Fakultät für Wirtschaft und Management, Campus Steyr, und in Kollaboration mit Prof. Sophie Parragh von der JKU Linz umgesetzt.

Fragen zum Projekt?
Projektleitung: Priv. Doz. FH-Prof. DI (FH) Klaus Altendorfer, PhD
Kontakt: Klaus.Altendorfer@fh-steyr.at

 

FWF-Projekt „Technostress in Organisationen“

Informations- und Kommunikationstechnologien sind so stark vertreten wie noch nie. Was Vorteile für Organisationen und Belegschaft bietet, kann auf individueller Ebene negative Folgen mit sich bringen. In dem laufenden FWF-Projekt von Dr. René Riedl stehen die empirische Erforschung des Phänomens sowie die Entwicklung von Bewältigungsstrategien für Mitarbeiter*innen und Unternehmen im Forschungsmittelpunkt.

Zu viele Informationen in kürzester Zeit, ständige Unterbrechungen durch Smartphones, laufende Softwareeinführungen, Unzuverlässigkeiten wie Systemabstürze aber auch computerbasierte Überwachung oder die Sorge über den Jobverlust durch fortschreitende Digitalisierung sind nur einige der Auslöser von Stress. Dieser kann sich bekanntlich negativ auf unsere psychische und physische Gesundheit auswirken als auch zu Unzufriedenheit und verminderter Produktivität im Job führen. Mit zunehmender Digitalisierung hat auch die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Technostresses an Bedeutung gewonnen.

Auch an der Fakultät für Wirtschaft und Management, Campus Steyr, widmet sich ein Forschungsteam unter der Leitung von Professor René Riedl seit vielen Jahren der Untersuchung von digitalem Stress.  Im Rahmen des bis 2023 laufenden FWF-Projekts soll nun der Entstehung von Technostress in Organisationen und dessen Auswirkung für Mitarbeiter*innen auf den Grund gegangen werden. Aktuell werden beispielsweise die negativen Wirkungen von IT-basierten Unterbrechungen, computerbasierter Überwachung sowie Videoconference Fatigue untersucht. Neben traditionellen Untersuchungsmethoden (Fragebogen, Interview, Laborsettings) setzt man im Rahmen dieses Projekts auch auf physiologische Messinstrumente (z. B. zur Bestimmung von Herzratenvariabilität und Blutdruck). Somit können die Aspekte von Technostress ganzheitlich betrachtet und erhoben werden. Um den Level an digitalen Stress von Mitarbeiter*innen konkret zu messen und zu bestimmen, wurde auch ein Fragebogen-Tool entwickelt. Der Fragebogen wurde nach psychometrisch höchsten Standards evaluiert und erfüllt die Qualitätskriterien in Bezug auf Reliabilität und Validität in exzellenter Weise.

Die dadurch gewonnenen Erkenntnisse sind eine Basis für wirksame Präventionsmaßnahmen für Mitarbeiter*innen und schaffen somit auch eine Grundlage für die langfristig erfolgreiche Etablierung von Digitalisierung in Unternehmen.

Fragen zum Projekt?
Projektleitung: Prof. Dr. René Riedl
Kontakt: rene.riedl@fh-steyr.at

Umsetzung hybrider Algorithmen zur Optimierung des MRP | Bildquelle: Wolfgang Seiringer/FH OÖ

Professor René Riedl widmet sich der Untersuchung von digitalem Stress. | Bildquelle: René Riedl/FH OÖ

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