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Master-Studentin will mit Guave-Fruchtextrakt Blutzucker senken

Sie ist 22 Jahre alt, macht derzeit den Master in Lebensmitteltechnologie und Ernährung an der FH OÖ am Campus Wels, findet Forschung und Entwicklung „das Coolste“ und hat sich als wissenschaftliche Erstautorin bereits einen Namen gemacht: Alice König. Die Studentin hat hier am Josef-Ressel-Zentrum für Phytogene Wirkstoffforschung erforscht, dass Blutzucker mit Guave-Fruchtextrakt gesenkt werden kann. Und sie hat dies 2019 bereits im renommierten Wissenschaftsjournal „nutrients“ publiziert.


„Wir suchen nach pflanzlichen Wirkstoffen, die wie Insulin wirken und die den Blutzuckerspiegel senken“, sagt Alice König, BSc, die im ersten Halbjahr 2020 ein sechsmonatiges Praktikum am FH OÖ Campus Wels absolvierte. Die Senkung des Blutzuckerspiegels, beispielsweise durch das Unterbinden der Aufnahme von Zucker aus dem Darm ins Blut, erforscht das 13-köpfige Team in Zusammenarbeit mit der Firma PM International AG in Luxemburg. „Nach Versuchen an Zellkulturen und an Mäusen haben wir eine klinische Studie am Menschen durchgeführt.“ Alice König betreute das Projekt an der Paracelsus Medical University (PMU) in Salzburg im Rahmen ihrer Bachelorarbeit. Aufwendig war die Organisation eines notwendigen Ethikantrages. Für den Versuch stellten sich 31 PMU-Studierende zur Verfügung. Sie wurden in eine Kontroll- und eine Interventionsgruppe eingeteilt und bekamen jeweils Glukoselösungen zu trinken – eine davon mit Guave-Extrakt. „Wenn Glukoselösung mit Guave-Fruchtextrakt getrunken wird, steigt der Blutzucker nicht ganz so stark an. Nach 30 Minuten erkennt man niedrigere Glukosepeaks. Es ist unglaublich spannend, dass es an Menschen auch so gut funktioniert“, freut sich Alice König.

Warum nun Guave?
„Das war Zufall“, sagt König mit einem stolzen Lächeln. „Guave-Blattextrakte hatten bereits gute Ergebnisse gezeigt, aber Fruchtextrakt hat ein noch viel besseres Ergebnis. Außerdem braucht man einen Rohstoff, der konsumiert werden kann, was bei den Blättern nicht der Fall ist.“ Chemikerin Dr. Bettina Schwarzinger aus dem Team ergänzt: „Zuerst haben wir eine Firma gesucht, die so große Mengen Guaven-Fruchtextrakt überhaupt herstellt. Dann haben wir ein 250-Kilo-Fass Guavenmus aus Indien bestellt, umgefüllt und getrocknet. Ich hatte dann die Idee mit dem superkritischen CO2-Extrakt.“ Im Zeitraum von zwei Jahren hat das Team in Kooperation mit der Johannes Kepler Universität Linz und Expert*innen aus Deutschland die aktiven Inhaltsstoffe analysiert. „Das zeigt, wie notwendig es ist, mutig zu sein und vernetzt zu denken“, sagt Schwarzinger. Ein „bunt zusammengewürfeltes Team“ bringe ein solches Ergebnis. Das kann für Patient*innen interessant sein, weil dieser Extrakt künftig in Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt werden und auch im Stadium noch vor Diabetes wirksam sein könnte.

Im Rahmen des Bachelor- oder Masterstudiums der Lebensmitteltechnologie und Ernährung am FH OÖ Campus Wels unter der Leitung von Dr. Julian Weghuber, FH-Professor für Molekulare Zellphysiologie, können Studierende Praktika absolvieren. Hier geht es erstens um Produkte, die in Zusammenhang mit Fettmetabolismus stehen. „Wir suchen pflanzliche Rohstoffe, die die Fetteinlagerung reduzieren“, sagt Weghuber. Zweitens beschäftigen sich die Forscher*innen mit allem, was mit Zucker zu tun hat, „wobei Diabetes und Adipositas zusammenhängen“, so Weghuber.

Bildquelle: imBilde.at - Bernhard Plank

Bildquelle: Clemens Röhrl

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