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FH OÖ: Welser ForscherInnen entwickeln in drei neuen Forschungsprojekten Biotreibstoffe weiter

Der Welser FH-Studiengang Bio- und Umwelttechnik beschäftigt sich seit Jahren mit Forschungsprojekten im Bereich Bioenergie. Kürzlich erhielten die Welser WissenschaftlerInnen den Zuschlag für drei neue innovative Forschungsprojekte im Rahmen des EU-kofinanzierten Landesförderprogrammes „Regio 13“. Insgesamt fließen mehr als 1,1 Mio. Euro an Forschungsgeldern in die neuen Projekte „Next Generation Biodiesel“, „Biogas plus“ sowie „Biospritproduktion aus Stroh: Überführung in den industriellen Maßstab“ und machen somit Wels zu einem Zentrum der österreichischen Bioenergieforschung.

Maisspindeln als Rohstoff für Biodiesel

Derzeit besteht der an Tankstellen verkaufte Diesel zu 5,7 Prozent aus Biodiesel und wird vorwiegend aus Raps produziert. Dr. Heike Kahr beschäftigt sich mit ihrer Arbeitsgruppe in den nächsten drei Jahren mit dem Thema „Next Generation Biodiesel.“ Hierbei geht es darum, aus Abfallstoffen wie etwa Maisspindeln oder Maisstroh umwelt- und klimafreundlichen Treibstoffersatz für Dieselfahrzeuge herzustellen. So kann der Lebensmittelrohstoff Raps durch Abfallstoffe ersetzt werden.

In der ersten Phase werden Grundlagenforschungen durchgeführt. „Das heißt, wir müssen Organismen finden, die zur Biodieselherstellung geeignet sind. Konkret müssen wir Hefen so ‚mästen‘, dass sie die Zucker der Maisspindeln in Fette umwandeln können“, erklärt Kahr. Getreideabfälle produzieren am Feld große Mengen an schädlichen Treibhausgasen. „Normalerweise werden die Maisspindeln und das Maisstroh am Feld eingeackert. Anschließend produzieren die Getreideabfälle beim Zersetzungsprozess in der Erde das extrem klimaschädliche Methan. Durch die biotechnologische Umwandlung der Abfälle in Biodiesel könnten wir dieses schädliche Klimagas unter Kontrolle bringen.“

Gülle als Energiequelle

Biogas wird bereits jetzt als Energiequelle für Heizung, Strom und Gasfahrzeuge verwendet. DI (FH) Viktoria Steinmüller optimiert im Projekt „Biogas plus“ die Leistung der bereits bestehenden heimischen Biogasanlagen und entwickelt dezentrale Kleinbiogasanlagen auf Güllebasis. „Wenn man alle österreichischen Güllegruben zu Biogasanlagen umbauen würde, könnte man einen durchschnittlichen Kernreaktor einsparen“, erklärt Steinmüller.

Bioethanol: Überführung in industriellen Maßstab

Prof. (FH) Dr. Alexander Jäger führt zusammen mit Prof. (FH) Dr. Renate Kränzl-Nagl von der FH OÖ in Linz die Produktion von Biosprit aus Stroh in den industriellen Maßstab über. Zusätzlich wird erstmals in Österreich das heikle Thema der gesellschaftlichen Akzeptanz von Biotreibstoffen untersucht. „In Deutschland hätten Anfang dieses Jahres dem Benzin bereits zehn Prozent Bioethanol beigemischt werden müssen. Jedoch wurde diese Verordnung nicht in die Realität umgesetzt, weil die deutsche Bevölkerung einerseits Angst um ihre Autos hatte und andererseits das Argument ‚Treibstoff aus Lebensmitteln‘ für massive Kritik sorgte“, berichtet Jäger und fügt hinzu: „Wir in Wels stellen Biotreibstoffe ausschließlich aus Rest- und Abfallstoffen her.“

Vorwiegend weibliche Forschung

Bemerkenswert ist, dass die Bioenergieforschung an der FH OÖ in Wels vorwiegend von Frauen durchgeführt wird. „Es freut mich besonders, dass so viele Frauen an der FH OÖ in der Bioenergieforschung tätig sind. Um noch mehr Frauen für die Forschung zu begeistern, haben wir den Forscherinnen-Award ins Leben gerufen, mit dem herausragende Leistungen von Forscherinnen gewürdigt werden“, sagt Forschungslandesrätin Mag.a Doris Hummer.

Die Projekte werden in Kooperation mit den technischen Universitäten Wien und Graz, dem Energieinstitut an der JKU Linz sowie mehreren Instituten in Dänemark und Schweden durchgeführten. Die FH OÖ Fakultät für Technik und Umweltwissenschaften Wels hat bei allen Projekten jeweils die Leitungs- und Koordinierungsfunktion.

Die Projekte werden im Rahmen des Programms Regionale Wettbewerbsfähigkeit OÖ 2007-2013 aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung sowie aus Mitteln des Landes OÖ gefördert.

(v. l.) Dr. Heike Kahr, Landesrätin Mag.a Doris Hummer, Prof. (FH) Dr. Alexander Jäger und DI (FH) Viktoria Steinmüller. Bildquelle: FH OÖ Campus Wels (Abdruck honorarfrei)

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